kussbild

Besonderheiten und Entdeckungen

HighlightsHighlights

2008 habe ich begonnen, den verschiedensten morphologischen Spielarten der Mikroorganismen das nötige fotografische Augenmerk zu widmen, was mit einigen Highlights verbunden ist.

Dass Kolonien von Mikroorganismen mitunter sehr eigenwillige Formen annehmen und auch sehr komplexe Oberflächenstrukturen ausbilden können, ist – jedenfalls in Fachkreisen – bekannt; bei Bakteriologen gehört das zum Berufsalltag.
Gelegentlich darf aber auch der Fachmann noch staunen. Bei der Betrachtung einer Luftkeimkultur im Bemühen neue „Ensemblemitglieder“ zu finden, sah ich plötzlich ein mich angrinsendes glückliches Gesichtlein – etwa 4 mm groß.  Dieser „Fortunatus“ inspirierte mich ab nun zum Fotografieren von morphologischen Besonderheiten.  Wie auch immer und warum auch immer ein aus der Luft gefallenes Bakterium einen solchen „Glückswurm“ entwickeln konnte, bleibt rätselhaft. Einzigartig erscheinen die Proportionen des Gesichtes und auch die sinnvolle Anordnung der Kolonien dahinter. Überzeugend ist der Zufall, mit dem die „Rolle des Designers“ zur Realität wurde. Auf Grund solcher Entdeckungsmöglichkeiten ist schon das Aufspüren von neuen „Ensemblemitgliedern“ sehr spannend. Der „Fortunatos“ wird als streng limitierter Pigment-Kunstdruck angeboten.

Liebeserklärung aus der Retorte

„Liebeserklärung“ aus der Retorte

Am Anfang war nur ein Tropfen… Deutlich erkennen wir Augen, Lippen, Gliedmaßen und noch eine Nabelschnur. Der kleine Homunkulus wird vielleicht noch viele Philosophen beschäftigen, er entspringt den Kräften und der Fantasie der Mikrowelt. Voller Neugierde scheint er dem Licht der Sonne entgegen zu schwimmen. Verbirgt sich nun in der Ästhetik „des Großen“ die Ästhetik „des Kleinen“? Dazu ein Zitat, gesehen in der Krypta der Hedwigs-Kathedrale in Berlin:

„Alle sichtbaren Gegenstände sind uns vor Augen geführt zur Bezeichnung und Erklärung
der unsichtbaren Dinge und sie belohnen uns durch das Auge in symbolischer,
d. h. in bildlicher Weise –  weil in der Form der sichtbaren Dinge ihre Schönheit besteht,
ist die Schönheit der sichtbaren Dinge ein Bild für die Schönheit des Unsichtbaren.“

Der kleine Homunkulus wird als streng limitierter Kunstdruck angeboten.

Highlights Highlights

Dass Bakterienkolonien – meist bei kargem Nährstoffangebot – zur Musterbildung neigen, ist schon länger bekannt. Die Forscher Eshel Ben-Jakop, Ofer Shochet und Adam Tennenbaum untersuchten diese Musterbildung bei Bacillus subtilis, einem häufigen Bodenbakterium. Es gibt viele Computersimulationen, die die Wege, die zur Musterbildung führen, mit wirklich erstaunlicher Präzision reproduzieren. Ich möchte den „Hungerbaum der Bakterien“ von Dr. Christoph Pöppe (Spektrum der Wissenschaft 6/1994) daher nicht unerwähnt lassen. Bei beiden Bildern sehen wir Muster, deren Entstehung weder mit den erwähnten Computerprogrammen simuliert, noch mit einer Verknappung an Nährstoffen erklärt werden können. Diese neue Entdeckung (2008) ist wieder das Resultat bacteriographischer Bühnentechnik. Die beiden Organismen, der Korallenbildner (Bild rechts) stammt aus Wien, der andere aus Berlin- Steglitz, senden einen Wirkstoff aus, der sich im Medium (der Bühne) kanalartig mit vielen Verzweigungen ausbreitet. Auf die Bühne wird nur ein winziger Kulturtropfen gesetzt. Die Bakterien vermehren sich vorerst an Ort und Stelle und bilden eine Kolonie. Sie können erst in die Kanäle einfließen und all den Verzweigungen folgen, wenn die Kanäle ausreichend breit und mit Flüssigkeit gefüllt sind. Vorher ist nur ein fast unsichtbares Kanalnetz vorhanden, das einige Zentimeter ins Medium vordringt, bis eben die Bakterien nachfolgen können. Die zuerst besiedelten Kanäle sind am intensivsten gefärbt. Der Vorgang nimmt fünf bis acht Tage in Anspruch. Weder die Natur des Wirkstoffes noch der Ausbreitungs-Mechanismus sind mir bekannt. Wir sind auf jeden Fall wieder um ein Naturwunder reicher geworden. Immanuel Kant meinte, dass

„in jeder besonderen Naturlehre nur so viel eigentliche Wissenschaft angetroffen werden könne, als darin Mathematik anzutreffen ist.“

In Anbetracht der Muster, die durchaus mathematischen Gesetzmäßigkeiten folgen, scheint, in Anlehnung an Kants Zitat, der wissenschaftliche Inhalt der Bacteriographie grenzenlos zu sein. In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch auf die Strukturen der Craquelé-Bilder hinweisen. Im wissenschaftlichen Alltag mit klassischen Medien können uns diese Effekte nicht begegnen.

Highlights

Eine ähnlich phänomenale Ausbreitung eines Wirkstoffes führt uns diese Studie vor Augen. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Bacteriocin. Hemmzonen sind – wie auch erwartet - stets ohne Struktur, umso mehr staunte ich über die Entdeckung dieser mystisch anmutenden „Flammenaura“. Die Entdeckung liegt schon länger zurück (2002), heute dient der Effekt als Stilmittel in der Bacteriographie. Diese Aura ist sehr schwierig zu beherrschen, daher wurde sie bis jetzt (2010) nur bei wenigen Gemälden eingesetzt.

Highlights

Smiley violett

Wir wissen: Ein Smiley (auch Smilie) ist die grafische Darstellung eines Lächelns. Nichts Besonderes also? Keineswegs!
Ich habe nur einen Tropfen Kultur auf eine Bühne gesetzt. Sicher, als Bühnenbildner habe ich die Bühne geschaffen. Aber als Maler habe ich nur einen Tropfen aufgebracht. Ich begebe mich gerne in den Schatten und sage nur: „Bühne frei und ins Rampenlicht mit meinem Violett aus der Lüneburger Heide (Grundloser See bei Walsrode).“ Ein „Einbakterien-Stück“ also. Das Werk spricht für sich. Die Ausbildung des Gesichtes mit Augen, Nase und lachendem Mund umgeben mit einer Craquelé-Struktur, wie sie harmonischer nicht sein könnte, darf ebenfalls als Naturwunder betrachtet werden. Sieben Tage brauchte der kleine Meister für dieses Werk.

Highlights H037

H037

Nicht nur Bakterienkolonien neigen zur Musterbildung. Das trifft auch auf Hefe- und Schimmelkulturen zu. Ich sehe in dieser Musterbildung eine Schnittstelle zwischen Biologie, Chemie und Physik. Vielfach werden die Muster eher emotionslos registriert. Sie sind auch meistens nicht spektakulär und im Wissenschaftsalltag haben Schönheitskriterien nicht immer Platz. Auf mich jedenfalls üben Muster und Strukturen eine magische Anziehungskraft aus. Von Strukturen spricht man, wenn die Musterbildung mit räumlicher Ausdehnung verbunden ist – was häufig der Fall ist. Je nach Beschaffenheit finde ich sie schön oder kurios. Schönheit ist ein abstrakter Begriff. Das Empfinden von Schönheit bei Bakterienkolonien ist sicher nicht auf die Prägung gesellschaftlicher Konventionen zurückzuführen. Ich sehe eher eine Nähe zur Symmetrie und Harmonie, eben zur Ästhetik, die sich als philosophische Disziplin mit der Bedeutung des Begriffes „Schönheit“ auseinandersetzt.

Highlights H038

H038

Als Kuriosum empfinde ich eine Koloniestruktur dann, wenn sie irgendwie komisch, skurril oder seltsam wirkt. Das trifft auf jeden Fall auf den ganz eigenen Charakterkopf zu, der sich im Zentrum dieser Bakterienkolonie gebildet hat. Der deutsch-österreichische Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (06.02.1736 - 19.08.1783), dem ja auch ein Hauch von Kuriosität anhaftet, bekommt von meinem Bakterien-Ensemble Konkurrenz.

Highlights Schimmel_Smiley

Schimmel Smiley

Dass Schimmelpilze bei einem Bacteriographen praktisch keine Bedeutung haben, ja sogar sehr unerwünscht sind, liegt auf der Hand. Ganz ausschließen kann ich sie aber trotzdem nicht. Der Schimmel-Smiley spricht für sich.

Highlights Smiley Gelb

Smiley gelb

Die selbstständige Ausbildung von Gesichtern ist bei Bakterienkulturen gar nicht so selten. Ohne besondere Fantasie aufwenden zu müssen, sind die - meist lachenden - Gesichter leicht zu erkennen. Siehe auch Smiley violett.

Highlights Orchidee

Bacterio-Orchidee

Wir haben schon viele Meisterwerke meines Ensembles kennengelernt. Des Öfteren war ich der Ansicht, dass das eine oder andere Kunstwerk nicht mehr übertroffen werden kann. Da andererseits ein Vergleich der einzelnen Kunstwerke wenig Sinn macht, nehme ich keine Wertung vor. Wie auch immer: die Orchideenblüte ist ein absolutes Highlight.
Dieser Schöpfungsakt hatte als Ursprung auch nur einen Tropfen Bakterienkultur auf einer Bühne. Bei einem Casting (2008) fiel mir der Hang zur Blütenbildung auf. Das Bakterium, seit 2009 Ensemblemitglied, wurde aus der Luft in Wien 22 isoliert.

„Suche das Glück in der Natur und Du wirst reichlich beschenkt“ (Marc Aurel).

Wie wahr…

nach oben