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Bacteriographische Bilder ab 2005

Craquelé Craquelé Craquelé

Craquelé-Technik

Als Craquelé(e) oder Krakelee [frz. Craqueler = rissig werden lassen; craquelé = rissig, gesprungen] bezeichnet man ein maschenartiges Netz von Rissen oder Sprüngen auf der Oberfläche von Ölgemälden, Schmucksteinen, Lackierungen, Glasflächen, Glasuren von Keramikgegenständen oder an Fassadenputzen und –anstrichen. Bei Gemälden spricht man auch von Krakelüre. Das Krakelee kann altersbedingt sein, aber auch als gewünschter Effekt künstlich herbeigeführt werden.

Ein bacteriographisches Craquelé-Gemälde weist keinerlei Risse auf. Die Bezeichnung wurde von mir deshalb gewählt, weil die entstandenen Strukturen eben an Sprünge und Risse erinnern. Dabei sind die Linien nicht vertieft, sondern sogar erhaben.

Die Strukturgebung basiert auf einer aktiven und einer passiven Rolle seitens des bacteriographischen Ensembles. Das aktive Bakterium, der sandfarbene „Craqueleur“ erzeugt die eigentliche Craquelé-Struktur. Diese Struktur kann – in etwas abgeänderter Form – auf ein anderes Bakterium (passive Rolle), dem „Craquelanten“ übertragen werden. Derzeit (2011) gibt es nur drei Bakterien (sandfarben, rot und grün), die dieses Rollenspiel meistern können.

Alle weiteren Farben auf den Bildern entziehen sich dem Einfluss des „Craqueleurs“ entweder zur Gänze oder sie werden von ihm nur teilweise beeinflusst, wie das z. B. bei den Violett-Tönen der Fall ist.
Von der Entdeckung des Craquelé-Effektes bis zur erfolgreichen Umsetzung als Gemälde war gut ein Jahr vergangen.  Die Optimierung der Bühne sowie der Maltechnik brauchte eben seine Zeit.
Die Entwicklung eines solchen Werkes kann bis zu vierzehn Tage in Anspruch nehmen.

Ein bacteriographisches Craquelé-Gemälde (im weiteren Bacg-Craquelé) ist ein wahres Naturwunder. Das berühmte Goethe-Zitat „Man sieht nur, was man weiß“ ist nicht nur in vielen Bereichen des Lebens anwendbar, sondern auch in der Kunst.
Nicht nur Mathematiker, Biologen und Philosophen sind von der Bacg-Craquelé  angetan.
Auch wissenschaftlich geschulte Leute mussten erst einmal, die Elemente der Bacteriographie betreffend, noch wissend und - in Anlehnung an Goethe – dadurch sehend gemacht werden.
Die Bilder, speziell das linke, sind reich an biomorphen Strukturen:
Insekten, Nervenzellen, Chromosomen, Kalkgehäusemuster der Radiolarien, wir erkennen aber auch Strukturen von Lebensräumen, nämlich das Erscheinungsbild eines ausgetrockneten Bodens. Nicht nur das: auch Strukturen, die wir Menschen künstlich erzeugen, vermag mein Ensemble täuschend echt nachzuahmen.
Ganz oben (linkes Bild) sehen wir die Struktur eines sogenannten Reiß-Lackes, durch diesen Krakelee-Effekt sollen neue Gegenstände etwas „antik“ erscheinen - (Ansichtssache Smile).
Auf der Craquelé-Bühne schafft mein Ensemble einen ganz besonderen „Bacteriographischen Surrealismus“, bei dem reale Elemente so kombiniert sind, dass sie zwar auf dem Bild, aber niemals in der Natur gleichzeitig gesehen werden können.

Wood-Bild

Wood-Technik

Die Wood-Technik ist eine Spielart der bacteriographischen Weichzeichnung, dabei kommen sowohl bewegliche als auch unbewegliche Ensemblemitglieder zum Einsatz. Durch die Bewegungseinschränkung der begeißelten Ensemblemitglieder durch die Wood-Bühne in Kombination mit nicht beweglichen Ensemblemitgliedern ergibt sich ein Weichzeichner- Effekt mit gegenseitiger Durchdringung der Mal-Areale. Das alleine wäre noch nicht spektakulär. Auffallend ist, dass Feinstrukturen vorhanden sind, die an Holzspäne erinnern. In Verbindung mit einer jahresringartigen Applikation entsteht ein Eindruck, den man getrost als „wood-like“ bezeichnen kann. Das geschieht auf einer Multifunktionsbühne, die einigen Ensemblemitgliedern die selbstständige Ausbildung der Holzspanstruktur ermöglicht.
Derzeit (2010) gibt es nur ein einziges Wood-Bild. Dieses Naturwunder ist – kaum zu glauben – noch schwieriger als die Craquelé-Technik zu bewerkstelligen.

Liegende Frau

Liegende Frau
               
Egon Schiele (12.06.1890 – 31.10.1918) zählt wie Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne.
Ich wollte mit der liegenden Frau den Künstler weder kopieren noch zitieren. Was auf mich einen großen Reiz ausübte, war zu wissen, ob ich die feinen verschlungenen Linien bacteriographisch umsetzen kann. Die sehr dünnen Linien wurden mit einer graubraunen Hefe gemalt. Das ist eine Ausnahme. Sie wurde aus der Luft in der niederösterreichischen Stadt Bruck an der Leitha isoliert. Diese Linienführung wäre mit Bakterien nicht möglich, da sie zu sehr in die Breite wachsen. Das Gesicht und die Haarpracht wurde mit einem meiner bakteriellen Ensemblemitglieder gemalt.
Hält man die „Schiele-Dame“ etwas schräg ins Licht, nehmen ihre Haare eine gülden schimmernde Tönung an. Diese einzigartige und sehr seltene bacteriographische Farbe verdanke ich einem Fund in Marktheidenfeld (Unterfranken).

Liegende Frau

Moderne Komposition
               
Die moderne Bacteriographie-Komposition braucht nicht näher erläutert werden. Der Betrachter interpretiert das Werk für sich alleine. Als Stilmittel wurde eine Aura zwischen Violett und Rotviolett verwendet.

Isfahan

Isfahan
               
Ein Abendhimmel und eine orientalisch anmutende Silhouette, dargestellt und ausgeführt von nur zwei Bakterien. Der feinst pointillierte Himmel wurde von meinem Rot 9 geschaffen, so viele Punkte könnte ich gar nicht setzen. Die Formgebung der Silhouette ist meiner Fantasie entsprungen, die harmonischen Übergänge der einzelnen Farbnuancen und Ausbildung der scharf abgegrenzten Farbareale verdanken wir jedoch meinem begabten Ensemble auf einer sogenannten Multifunktionsbühne.

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G045
               
Nicht selten wird das Werk mit dem katalanischen Maler Joan Miró i Ferrà in Verbindung gebracht. Als Stilmittel dient diesmal eine sogenannte „Chromogene Aura“. Entlang der Berührungslinie zwischen Orange und Rosa links oben im Bild entsteht eine sehr intensiv rote Färbung, die stufenlos nach hinten in den ursprünglichen Rosa-Ton übergeht. Auch der Kreis wird an seinem Umfang in gleicher Weise rot gefärbt, hier ist das Bakterium des gelben Umkreises für den Effekt zuständig.

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Ein weiterer bakterieller Interaktions-Effekt versetzt uns ins Erstaunen. Der mittlerweile gut studierte „Pfauenfeder-Effekt“, auch „Pfauen-Aura“ genannt, wird immer öfter bei bacteriographischen Gemälden angewendet. Das erste Werk aus dem Jahr 2006 wird hier gezeigt.

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Mythos Moor
Moor-Trilogie                
Das Moor übt auf mich seit eh und je eine ganz eigene Faszination aus. Das hängt sicher mit den vielen Schauermärchen, die es über Moore und deren Leichen gibt, zusammen. Eine in Nebel eingehüllte Moorlandschaft schafft schon einmal ein mulmiges Gefühl. Zu meinen bevorzugten Reisezielen zählt die Lüneburger Heide mit ihren Mooren, Moorseen und Heideweihern. Letztere werden auch Schlatt oder Flatt genannt.
Am häufigsten halte ich mich am Grundlosen See bei Walsrode auf. Über die Namensgebung gibt es viele Überlieferungen. Das sauerstoffarme, sehr dunkle Wasser wirkt optisch so, als wäre es unendlich tief. Die tatsächliche Tiefe beträgt durchaus einige Meter. Es ist jedenfalls nicht ratsam, den sogenannten Schwingrasen zu betreten. Darunter verbirgt sich oft gefährlich tiefes Wasser. Ich spreche aus eigener Erfahrung! Moorseen weisen trotz Nährstoffmangel – oder vielleicht gerade deswegen – eine interessante Vielfalt an bunten Mikroorganismen auf. Dem See verdanke ich schon viele Farbnuancen in den Tönen Violett und Gelb.
Die Formen des Moores scheinen bei Regen und Nebel stets irgendwie im Wandel zu sein. Was bei Sonnenschein fest verankert erscheint, scheint im Nebel oder bei Regen davon zu triften. Wenn ich hier wandere, kann ich den Schauer, den Annette von Droste zu Hülshoff ihrem „Knaben im Moor“ mitgegeben hat, durchaus nachempfinden.

Die ganz eigenen unwirklichen Stimmungen in Moorgebieten, die die Fantasie schon vieler Menschen anregten, inspirierten mich zur Moor-Trilogie. Mit der Moor-Trilogie wollte ich die oft trügerischen Lichteffekte und deren Spiegelungen im dunklen Moorwasser künstlerisch umsetzen. Sie soll uns mein Empfinden dieser „natürlichen Unnatürlichkeit“, wie ich diese Lichteffekte nannte, übermitteln. Der Helligkeitseindruck einer im Wasser gespiegelten Landschaft bleibt üblicherweise unverändert. Am Grundlosen See spiegelte sich ein von der Sonne angestrahlter Föhren- und Birkenhain ganz merkwürdig dunkel…

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Bacteriographische Miniaturen
Bacteriographie und Entomologie
               
Die Entomologie [griech. entomon, „Insekt“, eigentlich „das Eingeschnittene“] ist der Zweig der Zoologie, der sich mit den Insekten befasst. Stets inspirieren mich Formen, Muster und Strukturen, die mein Bakterien-Ensemble auf einer Bühne kreiert, zum Aufsuchen von Ähnlichkeiten aus anderen Wissensgebieten. Die Insektenspuren auf den beiden Bildern entspringen diesmal aber nicht der Fantasie der Mikrowelt. Sie stammen tatsächlich von einer Fliege, die ich auf den Bühnen laufen ließ. Kurz vor ihrem Auftritt sorgte ich für einen ausreichenden Kontakt ihrer Beine mit dem rotvioletten Bakterium. Nach ihrem Auftritt wurde die Fliege wieder in die Freiheit entlassen. Auf dem rechten Bild hat man den Eindruck eines auffliegenden Vogelschwarmes. Eine Fliege als Künstlerin…

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Rote Landschaft
               
Künstlerische Inspiration ist eine eigene Geschichte. Welch göttlicher Hauch meine Bacteriographie auch immer spontan mit neuen Ideen bereichert, bleibt unergründlich. Für jede Eingebung bin ich jedenfalls sehr dankbar.
Es muss aber nicht immer gleich Gottes Hauch sein. Manchmal genügt schon ein einfaches fotografisches Motiv, das meine Fantasie beflügelt. Bei der Roten Landschaft diente eine elektronenmikroskopische Abbildung von roten Blutkörperchen als Vorlage. Ein paar Abänderungen sollten dem Bild einen Landschaftscharakter verleihen. Ein Elektronenmikroskop liefert keine Farbbilder. Da die Farbvielfalt meines Bakterien-Ensembles, speziell bei Rot- und Orangetönen, recht nuancenreich ist, war das Kolorieren des Bildes leicht zu bewältigen. Ich ließ die kleinen Blutkörperchen zu monumentalen Landschaftselementen mutieren, deren Schlagschatten sogleich die Rolle eines kräftigen Farbkontrastes übernehmen.
Die Ausführung des Gemäldes war sehr aufwändig. Der räumliche Eindruck des Motives hängt nämlich nicht nur vom Kontrast, sondern auch von der Formgebung der einzelnen Elemente ab. Die kleinste Abweichung kann den gewünschten Effekt ins Gegenteil kippen lassen. Ich wollte die Delle der Blutkörperchen deutlicher hervorheben. Da ich die Formen der Farbareale mit der Vorlage exakt übereinstimmend gemalt habe, kann es nur am Kontrast liegen, dass die Delle flacher ausgefallen ist.
Bacteriographisches Malen ist und bleibt eine Herausforderung…

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